Die Drachensee-Sage
Eine spannende Sage, die sich hier in den Bergen Obsteigs zugetragen hat und seine Fortsetzung im "Sternentaucher" Öko-Hallenbad im Stern findet:
Von Elfi
In einfachen Steinhütten haben die Leute gewohnt, ein paar Ziegen für die Milch hat jede Familie mit dem wenigen Gras zwischen den Steinen durchgebracht, das Holz haben sie vom Seebenwald hinaufgeholt und jeder, der über die Grünsteinscharte hinuntergekommen ist oder hinauf gehen wollte, musste etwas abgeben, bevor er weiter ins Gaistal hinunter, ins Außerfern oder nach Deutschland hinaus oder nach Obsteig und weiter ins Inntal gezogen ist.
Zufrieden sind sie gewesen, die Drachensteiner, mit dem was die Wandersleut’ geben konnten: ein Stück Speck, ein Stück Butter, einen Laib Brot, einen kleinen Sack Korn, ein Paar warme Socken oder Handschuhe, einen Pack Wolle oder sonst etwas. Und jeder Mensch, der eingekehrt ist, hat ein Fladenbrot zu essen bekommen.
Aus der Obsteiger Dorfchronik von Hubert Stecher, nacherzählt von Maria Koch.
Öfter wurde gesagt: «Ihr seid ja steinreich!» – Darüber wurde gelacht. Aber es stimmt ja: rundum Steine, ausreichend Steine, überall Steine, aber
eigentlich waren sie arme Leute gewesen. Oft hat es an Notwendigstem nicht gereicht und doch: Jeder Wanderer und Händler auf der Durchreise
hat einen Platz zum Schlafen und eben ein Fladenbrot bekommen. Es war bewundernswert, dass vom Brot immer etwas da war, weil der Teig auch nie
ausging. Zahlreiche Leute sind sogar extra wegen dem guten Fladenbrot nach Drachenstein gegangen.
Aber dann war es von einem Tag auf den anderen mit der Zufriedenheit vorbei und im Dörflein Drachenstein ist fast alles anders geworden.
«Mama, Mama! Schau, das glänzt wie Gold!» schreit der kleine Pepi.
«Lass schauen. – Ja wirklich, glänzt wie Gold! Hast es angemalt?» fragt die Mama.
«Nein, nein beim Verstecken hinterm großen Stein gefunden, da wo’s Wasser heraussprudelt,» erklärt Pepi.
«Etwa bei der Quelle hinten?» fragt die Mama.
«Ja Mama!» bestätigt Pepi.
Liesl, die Mama, dreht den Goldstein in ihrer Hand herum, legt ihn auf den Boden und stampft darauf herum, auf einmal nimmt sie den Schnitzelklopfer – «Nicht Mama, nicht!», schreit Pepi dazwischen – und
schlägt mit voller Wucht darauf. Da jammert und weint Pepi: «Jetzt hast du’s kaputt gemacht, das Drachenei!»
«Durch und durch Gold». Liesl schüttelt den Kopf, läuft zur Türe raus und schreit: «Hias, Hias, komm schnell!» Aber er hört sie nicht. Er ist unten im Seebenwald beim Holzschlägern.
«Mama, soll ich den Vater holen?» fragt der kleine Pepi.
«Ja, beeil’ dich! Sag, es ist wichtig! Wir sind reich! Richtig reich!» ruft die Mama. Pepi macht sich gleich auf den Weg und die Liesl singt vor sich hin. Als Pepi unten beim Vater angekommen ist, kann sich der Hias vor Lachen nicht mehr halten: «Ha ha ha, da kommt die Mutter erst heute darauf, reich, hahaha, und ich soll gleich kommen, hahaha.»
«Ja, so hat sie’s gesagt, und du sollst schnell heimkommen!» wiederholt Pepi.
Beim Hinaufgehen meint der Vater «Ich denke, jetzt hat sie einen Steinkoller gekriegt.»
«Vater, was ist das?» fragt der kleine Pepi.
Der Vater meint aber: «Übergeschnappt muss sie sein, vor lauter Steinen sehen! – Jetzt hat es sie erwischt!»
Pepi beeilt sich, läuft voraus, er hat Angst um seine Mutter bekommen.
Er ist früher zu Hause, reißt die Türe auf und hört die Mutter «Wir sind reich!» singen. So arg wird’s wohl nicht sein, denkt er sich und kuschelt sich zu ihr.
Die Mama fragt streng: «Wo ist der Vater?»
«Er kommt schon, Mama», antwortet Pepi.
Abends klopft es auf einmal an der Tür, während Mutter und Vater beim Tisch immer noch die Goldbrocken in den Händen haben. Nochmal und nochmal klopft es.
«Es klopft», ist Pepi aufgewacht.
Hias geht endlich zur Tür, macht nur einen kleinen Spalt auf und fragt «Was willst du?»
«Einen Platz für die Nacht und a Stück Brot», bittet der Wanderer.
«Nichts da, bei uns heute nicht!», antwortet Hias forsch und macht ihm die Tür vor der Nase zu. Der Nachbar ließ ihn übernachten, den Wanderer. Heute schon noch!
Aber es ging doch schneller, als man sich umsehen konnte. Die paar Bewohner von Drachenstein wussten bald vom Gold, weil die Kinder es sich erzählt hatten. Der Älteste hat die Liesl gezwungen ein Goldstück zu zeigen und sie rückte mit einem winzigen goldenen Brösel heraus. Alle Dorfbewohner bekamen gierige Augen, atmeten tief durch und verschwanden nach Hause. Gleich nachher wühlten sie mit Pickel und Schaufel hinter dem Drachenstein und noch ein Goldbrocken kam hervor und noch einer und noch einer und weiter drüben beim Brunnen auch noch silbriges Zeug. Silber und Gold. Bergwerke. Arbeiter. Auf einmal waren die Drachensteiner wirklich reich.
Das Obsteiger Gold fließt nun direkt ins „Sternentaucher“ Öko-Bad … und hier gehts zum Podcast der Sage und seine Erweiterung, wie der Drache ins Öko-Bad kam.
Nicht lange hat es gedauert, haben die Drachensteiner nicht mehr gerne geteilt und immer seltener das Fladenbrot gebacken. Streng sind sie geworden: Teuer wurde das Durchgehen durch das Drachensteingebiet. Der Winter ist gekommen. Ein alter Mann klopfte wieder einmal an und bat um einen Platz beim Ofen. «Nichts da bei uns, raus, fort mit euch!» hieß es als Antwort. Beim nächsten Haus dasselbe. Niemand in ganz Drachenstein hat ihn hereingelassen. Niemand hat ihm eine Decke, einen Schluck Wasser, ein Stück Brot gegeben. Der Mann ging weiter, kam aber nicht mehr weit. Erschöpft hat er sich in den kalten Schnee gelegt. Mit der letzten Lebenskraft hat er seine Wut über die hartherzigen Leute gesammelt, hinausgeschrien, und sie verflucht.
Die ganze Nacht hat ein Erdbeben gerumpelt. Bis nach Obsteig hinunter hat man es gehört. Tags darauf ist da, wo früher das Dörflein Drachenstein war, ein großer kalter See gewesen, der Drachensee. Die hartherzigen Leute geistern heut noch auf dem Seegrund herum und werden von einem Drachen bewacht. In der Heiligen Nacht kann man sie unten zur Kapelle gehen sehen, aber wehe man wird selbst dabei entdeckt, da wird man gleich vom Drachen in den See heruntergezogen. Es heißt dann: «Den hat der Geizdrache geholt!»
Es heißt auch, der Reichtum an Gold und Silber fließt jetzt verwandelt in Form von reinstem Wasser den Obsteigern zu. Der alten Sage nach, soll die Ursprungsquelle ein unterirdischer Abfluss vom Drachensee sein und diese findet man, wenn man beim Lehnberghaus links vorbei weiter zurück geht.